Bericht über unsere kleine Bogenreise de- (aut)- it

von Volker & Oliver

 

Anfang dieses Jahres habe ich eine kleine Bogenreise geplant.

Sie sollte eine Woche dauern, davon 4 Tage Bogenschiessen

Losgehen sollte es mit dem Parcours in Bolsterlang an der Hörnerbahn.

Dann über den Riedbergpass nach Österreich, nach Brand auf den Bogenparcours des Sport-Hotel

Beck. Nach diesem, weiter über den Reschenpass ins Vinschgau auf den Leitenparcours und zum Abschluss an die italienische Weinstrasse den Parcours von Schloss Hoch-Eppan.

Hier ist der Bericht was daraus wurde.

Wir sind am späten Nachmittag am 11.7 vom Odenwald aus Richtung Allgäu gestartet. Ich hatte vorher bei der Hörnerbahn und dem Sporthotel Beck geklärt, ob wir mit dem Wohnmobil jeweils über Nacht auf den Parkplätzen stehen bleiben durften. Wir durften.

Wir sind noch am 11.7. spät Abends in Bolsterlang angekommen, und haben oberhalb der Hörnerbahn auf dem erweiterten Parkplatz übernachtet.

 

12.7.2011

Am Morgen nach einem Frühstück im Freien und bei schon sommerlichen Temperaturen sind wir so gegen 9:00 Uhr losgegangen.

Man bekommt an der Kasse der Hörnerbahn das Ticket (20,- incl. Parcours) für die Bergfahrt bis zur Mittelstation und eine kurze Einweisung. An der Mittelstation angekommen, findet man die ersten Wegweiser zum Parcours.

 

Der Parcours liegt in einem schönen alpinen Hochwald der durch kleine Almwiesen aufgelockert wird. Der überwiegende Teil ist jedoch im Wald und somit auch im Schatten, was bei Temperaturen um die 30°C mehr als angenehm war. Der Parcour wird von der Mittelstation bis zur Talstation bergab begangen.

Gute feste Schuhe sind hier ein Muß. Aufgrund der speziellen Lage ist der Parcours nicht unbedingt für Kinder geeignet. Ausdauer und Trittsicherheit sind durchaus gefordert. Wir waren insgesamt gute 3 Stunden bergab und bergauf unterwegs.

 

Der Weg von der Mittelstation zum Parcours und der Parcours selbst sind gut ausgeschildert. Nach ca. 10 min Fußweg über einen Waldwirtschaftsweg kommt man an den Einstieg zum Parcours. Da geht es schon steil über eine Weide/Wiese zum Einschiessplatz hinab. Der ist, wie auch der gesammte Parcours sehr professionell angelegt. Neben verschiedenen Zielen in unterschiedlichen Entfernungen gibt es eine Ablagemöglichkeit für Bögen und Köcher und Holzbänke für die Rast. Eine grosse Tafel weisst auf Parcourregeln hin.

Vom Einschiessplatz geht es in den Parcours, man kann sich immer an den gut sichtbaren roten Bändern an Bäumen und Büschen orientieren.

Insgesamt waren 32 3D-Ziele verschiedener Hersteller (Rhinehart, SRT...) in gutem Zustand aufgebaut. Vor jedem Abschusspunkt/Ziel gibt es eine Wartezone, angezeigt durch ein Schild mit einem Bild des jeweiligen Tieres. Die Abschusspflöcke sind massive, farblich (rot, blau, weiss in den jeweiligen Entfernungen zum Ziel ) gekennzeichnete Holzpalisaden, sehr fest eingeschlagen.

Die Schussentfernungen sind, sagen wir mal 'alpin', d.h. Die Ziele sind mittel bis sehr weit gestellt. Wer also mal so richtig Pfeile fliegen lassen möchte, ist hier genau richtig. Aber vorher schon mal weite Schüsse üben :-). Hier z.B. der 'Alpenleopard' auf ca. 40m über eine Wiese, genial.

Apropos, ich schiesse einen Jagdrecurve mit 36 lbs und mein Sohn (14 Jahre) einen Compound mit 30 lbs. Beide mit Carbonpfeilen also beides keine 'Hammerbögen' Alle Ziele waren zu treffen, obwohl ich zugeben muß, das der eine oder andere 'Nuller' dabei war.

Unser Fazit:

Parcours in einer sehr schönen Umgebung , ganz toll und professionell in die Landschaft gebaut, für engagierte Schützen die weite Schüsse mögen und geländetauglich sind.

 

Am Nachmittag des 12.7. sind wir dann Richtung Österreich weitergefahren wo wir den Parcours im Brandnertal vom Sporthotel Beck schiessen wollten. Zum Übernachten haben wir dann doch den Waldcampingplatz in Nenzing angefahren ( Wegen des Schwimmbads ). Aber die Alpenrepublik hat uns mit starken Windböen und in der Nacht mit Blitz, Donner und am nächsten Tag mit Dauerregen empfangen. Nach einem Blick auf Wetter.com.de.online mit angesagtem Dauerregen den ganzen Tag , haben wir uns entschlossen am 13.7. doch gleich nach Südtirol weiterzufahren.

Eigentlich war der Leitenparcours in Mals unser nächstes Ziel, doch der war aufgrund des Leitenturniers am vorherigen WE noch geschlossen. Also sind wir weitergefahren ins Schnalstal zum Moarhof in Katharinaberg.

Obacht, recht schmale Strassen für ein 6,60m Womo, aber genial gelegen. Im Moarhof kann man auch Ferienwohnungen mieten.

Der Parcoursbetreiber ist Valentin Müller, ein Tausendsassa, aber das müssen die Menschen in den Höfen so hoch oben wahrscheinlich alle sein.

Nur mal die wichtigsten Jobs und Hobbys von Valentin, die ich in der ersten Stunde bei lockerem Bogenschiessen auf seinem Einschiessplatz so mitbekommen habe.

Zunächst fährt er halbtags den Bus der Arbeitsgemeinschaft für Behinderte, dann betreibt er zusammen mit seinem Vater den Hof, war 5 Jahre Archaeotechniker für den Archaeoparc in Unsere Frau, Bogen -und Pfeilbauer, hat einen Bogenshop , er schmiedet, er tischlert, gibt Kurse in der Schule ( Geschichte von der Steinzeit bis zum Mittelalter), schiesst selbst Primitivbögen und macht wahrscheinlich noch sehr viel mehr. Ach ja, Frau und drei Kinder hat er auch. Langeweile ist was anderes...

 

14.7.2011

Der Parcours am Moarhof selbst ist eher wieder alpin gelegen, aber aufgrund der Tatsache, das Valentin selbst Primitivbögen schiesst, nicht so weit gestellt, eher moderat. Was nach seiner Auskunft in Italien nicht selbstverständlich ist, da die Mehrzahl der dortigen 3D-Schützen wohl Compounder sind.

Ach ja, auch in Katharinaberg hatten wir das Glück am Abend ein Gewitter mitzuerleben, in den Bergen klingt das doch extrem eindrucksvoll.

Wir durften mit unserem Wohmobil auf der Wiesenzufahrt des Moarhofes stehen bleiben, haben Strom bekommen und konnten WC und Dusche mitbenutzen.

Den Parcours haben wir dann am 14.7. morgens bei schönem Wetter begangen. Valentin ist für die ersten zwei, drei Ziele mitgegangen. Man hat auch gleich mitbekommen das hier jemand mit sehr viel Herzblut bei der Sache war. Die Schussentfernungen waren nicht sehr weit, aber die Abschusspunkte doch eher knifflig gewählt, man musste immer erst genau schauen wie man sich hinstellt, um auch sauber zum Schuss zu kommen. Die Ziele sind sehr schön in die Landschaft integriert und auch drei der insgesamt zwamzig Ziele sind beweglich und mit tollen Ideen versehen. Gleich das zweite Ziel ist ein 'hüpfender' Frosch der funktioniert wie ein japanischer Bambusbrunnen. Über einen kleinen Bachlauf gespeisst, läuft Wasser für ca. eine Minute in ein Rohr, bis dieses gefüllt ist. Dann 'hüpft' der Frosch für ca. 4-5 sec aus seinem Versteck in dem er vorher kaum zu sehen ist. Tolle Idee, leider hat ein anderer Schütze tagszuvor das Rohr derart perforiert, daß es bei uns nicht einwandfrei funktioniert hat. Aber ich denke Valentin hats zwischenzeitlich repariert.

Dann gab es noch zwei weitere bewegliche Ziele auf dem Parcours. Einmal ein Eichhörnchen, welches einen Baum hinaufsteigt etwa in der Mitte des Parcours und am Ende ein genialer Falke der sich auf zwei Eichhörnchen in einem Baum stürzt. Diese beiden Ziele werden über Handkurbeln praktisch aufgezogen und durch einen Mitschützen dann freigegeben. Die Schwerkraft tut ihren Teil dazu. Der Falke zum Abschluss ist deshalb genial, weil er endlich mal ein Ziel für 'Fußballfreunde' ist. Bild.

Aber auch auf diesem Parcours sind gutes Schuhwerk und Trittsicherheit gefragt. Er ist wunderschön über Katharinaberg gelegen, mit tollen Blicken auf Katharinaberg und das Schnalstal. Etwa zur Hälfte des Parcours gibt es einen schön angelegten Rastplatz mit Wikinger Stühlen und Hängematte zum Ausruhen. Der Parcour hat 20 Ziele welche zum Teil sehr knifflig gestellt sind.

Hier hat Valentin wirklich alle Möglichkeiten die das Gelände bietet ausgenutzt. Wir haben ca. 2,5 h für den Parcours benötigt, eine gesamte Runde geht bergauf- bergab.

Unser Fazit:

Ein sehr schnuckliger Parcours, landschaftlich ganz toll gelegen. Nicht ganz so professionell wie in Bolsterlang, aber sehr liebevoll und ideenreich gestaltet mit einer überaus netten, gastfreundlichen und kompetenten Betreiberfamilie die auch geschichtlich intereressierten das eine oder andere rund ums Bogenschiessen bieten kann.

 

Valentin hat uns auch noch eine Ausstellung im Archaeoparc von Madonna/Unsere Frau weiter im schnalstal ans Herz gelegt, welche wir dann am Nachmittag des 14. besucht haben .

 

Der Archaeopark bietet Einblicke und Informationen rund um den Gletschermann Ötzi und die Lebensbedingungen zu seiner Zeit. Es gibt Nachbauten seiner Ausrüstung die man auch anfassen darf. Ausserdem Vorführungen im Feuerschlagen, Bogenschiessen, Kupferschmelzen und Flintknapping und Holzbearbeitung mit Steinwerkzeugen, Getreide mahlen , Stockbrot backen und einiges mehr, alles auch zum Anfassen und Selbermachen. Ausserdem gab es bei unserem Besuch eine Ausstellung (bis zum 6.11.) mit dem Thema: Der Bogen als steinzeitliche Jagdwaffe bis zum heutigen Sportgerät: Bilder.

 

Abends sind wir dann weitergefahren nach Kaltern an die Südtiroler Weinstrasse um am nächsten Tag den Parcours von Schloss Hocheppan zu schiessen. Am Kalterer See konnten wir dann abends noch etwas Schwimmen und eine schöne Pizza geniessen.

 

 

15.7., Morgens ging es dann ein kleines Stück zurück nach Eppan bzw. Schloss Hocheppan. Hier ist schon die Anfahrt ein kleines Abenteuer, jedenfalls wenn man wie wir mit einem 6,60m Wohnmobil unterwegs ist. Die Strasse ist tw. gerade so breit wie das Auto. Am Parkplatz der Burg angekommen, haben wir festgestellt, daß gerade kein Platz mehr für uns war . Also das ganze wieder zurück.

Freundlicherweise durften wir auf dem Parkplatz des Hotel Korb, auch eine alte Burg, sehr edel und bestimmt nicht günstig, etwa 1-2km entfernt bis Nachmittags stehen bleiben.

Vor dem Vergnügen auf dem Parcours hat der Herr hier den Schweiss gesetzt, in Form eines knackigen Aufstieges zum Schloss Hoch-Eppan. Aber es lohnt sich in jeder Hinsicht. Es gibt tolle Ausblicke ins Überetsch, und schönen Wald mit Eichen, Kiefern und Kastanien.

Oben am Schloss Hoch-Eppan angekommen haben wir kurz verschnauft, um dann nach kurzer Einweisung in den Parcours zu gehen. Der Parcour ist normalerweise traditionellen Schützen vorbehalten. Da Olivers Compound aber nur 30 lbs hat, durfte er dennoch schiessen.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Parcouren war dieser sehr einfach zu begehen. Daher auch fast uneingeschränkt für Kinder geeignet ( die den Weg hochgekommen sind;-)).

Die Ziele sind auch für Anfänger geeignet gepflockt. Bei der Einweisung wurde uns aber vorher gesagt, wenn es möglich ist , können wir uns einen weiteren oder schwierigeren Abschusspunkt selbst suchen. Natürlich immer in der, in Verlängerung von Ziel und eigentlichem Pflock ,vorgegebenen Schussbahn. Was wir auch tw. gemacht haben.

Der Parcour ist genial gelegen und man bekommt sagenhafte Ausblicke zu sehen. Wir haben uns Zeit gelassen und einen sehr entspannten Parcours genossen.

Da der Parcour teilweise mit dem Wanderweg verläuft, bekommt man auch manchmal Zuschauer, die dann sehr erstaunt sind, wie schnell die Pfeile fliegen und dann auch noch treffen.

Wir waren ca, 2,5h unterwegs mit einigen kleinen Pausen in denen wir die Aussicht genossen haben.

Nach dem Schiessen haben wir dann im wunderschön angelegten Burghof Speckknödel mit Pfifferlingsoße und Krautsalat aus der Burgschenke gegessen. Ein Gedicht, jedoch mit tragischem Ausgang für die Knödel.

Weiter gibt es auf der Burg noch eine Kapelle mit alten Fresken zu besichtigen.

Unser Fazit:

Ein wunderschön gelegener Parcour, einfach zu begehen ( normales Schuhwerk oder Turnschuhe, reicht aus). Auch für Anfänger und Familien geeignet. Schussentfernungen sind einfach bis moderat mit Möglichkeiten sich einen eigenen weiteren Abschusspunkt zu suchen . Auch die Burg bietet noch einiges interessantes.

Für uns der sehr entspannte Abschluss unserer kleinen Bogenreise!

Den letzten Tag haben wir dann am Gardasee verbracht.

Das war bestimmt nicht unsere letzte Bogenreise, wir haben sehr schöne und dabei sehr unterschiedliche Parcoure geschossen und durften sehr interessante Menschen kennenlernen.

Ach ja, vielleicht lag es daran, daß wir während der Woche unterwegs waren, jedenfalls auf den Parcouren waren wir immer alleine unterwegs!

Alle ins ums Kill!

Oliver und Volker

 

 
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